Postsowjetischer Brückenbau
Litauen

Von Hannes Gamillscheg

Bei den Bemühungen, die Beziehungen zu Weißrussland zu verbessern, baut die EU auf Litauen. Am Mittwoch stattete der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko dem Nachbarland einen Arbeitsbesuch ab. Nach einem 90-minütigen Treffen sprach die litauische Staatschefin Dalia Grybauskaite von einem "guten Anfang", der in tiefere wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen münden solle.

Im Frühjahr hat Brüssel die Sanktionen gegen Weißrussland gelockert und die Reisebeschränkungen für den Präsidenten aufgehoben. Die Visite in Vilnius war nun die bisher protokollarisch höchste des als "letzter Diktator Europas" bezeichneten Lukaschenko in einem EU-Land. Zwar war Lukaschenko vor dem Sommer auch in Rom, doch galt der Besuch als privat. In Vilnius stand ursprünglich die Teilnahme an einem baltisch-weißrussischen Wirtschaftsforum an. Dann ließ Grybauskaite ihren Kollegen wissen, dass sie bereit sei, ihn zu empfangen, wenn er dies wünsche.

EU hat das Treffen angeregt

Bei dem Treffen standen bilaterale Fragen im Vordergrund, doch der Besuch war mit der EU koordiniert. Industriekommissar Günter Verheugen hatte die litauische Präsidentin bei einer Visite vor zwei Wochen aufgefordert, die aktive Rolle ihrer Vorgänger im postsowjetischen Raum weiterzuspielen. Litauen solle "EU-Experte" für die Ostbeziehungen bleiben.

"Litauen kann Brücken zwischen der EU und Weißrussland bauen", sagte Außenminister Vygaudas Usackas. Auch Lukaschenko betonte sein Interesse an einem Ausbau der Beziehungen zur EU. "Wir wollen Europas strategischer Partner sein." Dies solle jedoch nicht auf Kosten des Verhältnisses zu Russland geschehen.

Wichtigstes bilaterales Thema ist ein vereinfachter Grenzübergang für die nahe der Grenze lebenden Menschen - mittels Sepzialausweisen, unbürokratisch und fünf Jahre gültig. 60 Euro für ein Einreisevisum in die EU sei für einfache Weißrussen "viel zu teuer", sagte Lukaschenko.

Er bot Litauen die Beteiligung am Bau eines Atomkraftwerks an, das ab 2016 unweit der litauischen Grenze entstehen soll. Auch Litauen plant, sein einziges AKW durch einen Neubau zu ersetzen. Der Bau beider Anlagen würde zu einem Stromüberschuss führen. Während Weißrussland auf russische Atomtechnik setzt, will Litauen den Auftrag westlichen Firmen geben.

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