| Anführer startet Reinwasch-Programm - Prozess gegen Litauer vor Abschluss |
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14.04.2009 - WIESBADEN Von Wolfgang Degen
Remigijus
K. redet und redet. Der junge Litauer nutzt das obligatorisch letzte
Wort, das jedem Angeklagten zusteht, seinerseits zu einer Anklage.
Remigijus K. stellt sich dar als Opfer von Polizei und Justiz. Einbruch
ja, aber doch nicht versuchter erpresserischer Menschenraub. Nie sei
das der Plan gewesen, sagt er. 20 Minuten dauert sein
Reinwasch-Programm. Ein letzter Versuch, Zweifel zu säen. “Männer zum Arbeiten"
“Nichts Konkretes" habe er gehört in dem Plädoyer von Staatsanwalt
Martin Links, trägt der Litauer vor. Der Mann muss taub sein: Sieben
Jahre Haft hat Links gefordert für den 25-Jährigen, sechs Jahre und
drei Monate für Vladimir V., zwei Jahre für Arunas K., und zwei Jahre,
diesmal Jugendstrafe, für Tomas N.. Remigijus sei der Organisator vor Ort gewesen. Er habe das Wort geführt, Anweisungen erteilt. Männer zum Arbeiten bringe er mit, erfuhren die Ermittler, sie hörten an den überwachten Telefonen mit. Einen pries er an, der könne alle Schlösser aufmachen. Remigijus gab am Telefon unter anderem auch die Anweisung, dass man durch die “Wohnungen ziehen" solle Einbrüche. Gedacht, um sich das Startkapital und Autos zu beschaffen. Als Unterschlupf diente ein Zimmer im Fox-Haus in Kastel. Als der Mann, der angeblich alle Schlösser knacken konnte, in Wiesbaden an einem Haus scheiterte, gab darob ein aufgebrachter Remigijus per SMS Anweisung dann solle halt die Tür eingetreten werden. Die Beweislast sei erdrückend, sagt Staatsanwalt Links. Der Staatsanwalt habe etwas gegen ihn, klagt dagegen Remigijus. 83-Jährige war cleverer
Ihr größter Coup sollte Anfang Juli 2008 das Juweliergeschäft Strebel
auf der Wilhelmstraße sein. Die damals 83-jährige Mutter des Juweliers
sollte als “Türöffner" missbraucht werden, nur mit dem Code konnten die
Täter rein und dann mit ihrer Beute auch wieder raus. Beim ersten
Versuch scheiterten sie an der Cleverness der Geschäftsfrau, die zu
jener Zeit ihren Sohn vertrat, der mit seiner Familie im Urlaub weilte.
“Spätpaket", rief einer der Bande, als er an der Tür klingelte. Doch
die Frau, durch herumlungernde Fremde im Hof zuvor schon stutzig
geworden, tat ihnen den Gefallen nicht. Beim neuen Anlauf ein paar Tage später tappten die Litauer in die Falle der Polizei, Sekundenbruchteile, bevor sie die Geschäftsfrau hätten in ihre Gewalt bringen können. Die Frau war lückenlos geschützt, seit sie der Polizei ihren ersten Verdacht geschildert hatte. Die Ganoven hatten alles vorbereitet, alles ausgespäht, eine Notausgangstür der Tiefgarage manipuliert. Diesmal wollten sie nicht abblitzen wie bei der Nummer mit dem “Spätpaket". Ihr Opfer nannten sie Oma, oder despektierlich “die Alte³: “Die Oma fährt an³, hörten die Ermittler mit. “Die Alte putzt die Fenster". Die Oma, alt nur an Jahren, war den Kriminellen an Intelligenz und Umsicht haushoch überlegen. Ausspähen ja, aber kein versuchter erpresserischer Menschenraub, argumentieren die Verteidiger. Es sei ja “nichts passiert", findet einer. Viel interessanter ist das, was sein Mandant, Vladimir V., am Dienstag zum Schluss sagt: “Es stimmt alles, was in der Anklage steht". Er bedauere sehr. Reue statt Reinwasch-Programm. Urteilsverkündung am 23. April, ab 13.30 Uhr.
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