Von Hubert Lebeau
Bad Homburg. Es war nur eine kleine Geste, aber eine mit großer Wirkung: Als der deutsche Manager der litauischen Fußball-Nationalmannschaft, an Montagmorgen im Bad Homburger Parkhotel frühstückte, fand er einen kleinen Tischsteller mit einer freundlich winkenden Figur und der litauischen Nationalflagge vor. Darunter stand: „Wir freuen uns auf Sie!“
Tony Päffgen, ein echt „kölscher Jung“, der sein Herz auf der Zunge trägt, war nahezu gerührt. „Das wird auch meine Jungs freuen, wenn sie nächste Woche hier in Bad Homburg sind.“ Seine „Jungs“, das sind die Mitglieder der Fußball-Nationalmannschaft von Litauen, die sich in der Kurstadt vom 23. bis 26. März auf zwei wichtige Begegnungen vorbereiten werden. „Fußball-Profis sind wie Kinder“, verrät der mit allen Wassern gewaschene Päffgen, „wenn sie sich an einem Ort wohlfühlen, dann ist das schon die halbe Miete.“
Der Elf des portugiesischen Trainers José Couceiro stehen zwei schwere
WM-Qualifikationsspiele gegen Vize-Weltmeister Frankreich bevor: am 28.
März im heimischen Kaunas und gleich darauf am 1. April in Paris.
Litauen liegt derzeit in Gruppe sieben punktgleich mit Spitzenreiter
Serbien auf Platz zwei noch vor Frankreich und Rumänien.
Die Stadt Bad Homburg stellt der litauischen Mannschaft den Rasenplatz
im Sportzentrum Nordwest zur Verfügung. Alle Trainingseinheiten seien
öffentlich, berichten Tony Päffgen und Teambetreuer Norbert Erlach.
Begonnen wird am Montag um 18.30 Uhr. Am Dienstag und Mittwoch wird
jeweils um 10 und um 18 Uhr trainiert, das Abschlusstraining ist am
Donnerstag um 17.30 Uhr. Bei den Trainingszeiten bleiben kurzfristige
Änderungen allerdings vorbehalten.
Der Manager lädt besonders die Kinder und Jugendliche ein, zum
Sportzentrum Nordwest zu kommen. Er will dafür sorgen, dass es genügend
Plakate mit den Unterschriften der Spieler gibt. „Unsere Spieler sind
keine Stars, sondern Menschen zum Anfassen“, sagt er.
Oberbürgermeisterin Dr. Ursula Jungherr freut sich über die Einladung.
„Das ist eine tolle Motivation für unsere jungen Fußballer.“
„Bad Homburg verfügt mit dem Sportzentrum Nordwest über eine
hervorragende Anlage, auf der vom Fußball über Hockey bis zum Baseball
gleich mehrere Sportarten professionell betrieben werden können“, so
Sportdezernent Peter Vollrath-Kühne. „Die Anfrage belegt, dass unser
Angebot stimmt. Sie zeigt mir aber auch: Unsere Plätze sind gut in
Schuss.“ Denn Bedingung für das Training der litauischen Auswahl ist
nicht nur ein Rasenplatz, gefordert ist explizit ein Top-Zustand. Auf
der Wunschliste der Gäste stehen außerdem eine Flutlichtanlage,
Umkleidekabinen, zwei bewegliche Tore und die exklusive Nutzung des
Platzes. Ein Platzwart soll ständig bereit stehen.
Wohnen wird die Mannschaft im Parkhotel, dessen sportbegeisterter
Direktor Joachim Petry sich sehr kooperativ gezeigt habe, schwärmt
Päffgen. Außerdem lädt Kurdirektor Ralf Wolter die ausländischen Gäste
ein, während ihres Aufenthalts in Bad Homburg die Einrichtungen von Kur
Royal und Kur Royal Aktiv zu nutzen. Am Europa-Kreisel werden während
des Aufenthalts der litauischen Nationalspieler die Flaggen des Landes
wehen.
Bad Homburg wurde als Trainingsstandort vor allem wegen seiner
zentralen Lage in Europa ausgewählt. Das spart Kosten, was für einen so
kleinen Landesverband wie den von Litauen von großer Bedeutung ist. Die
Spitzenfußballer des baltischen Landes verdienen freilich ihr Geld
überall in Europa: in Schottland und England ebenso wie in Italien,
Russland oder Frankreich. Dank des Frankfurter Flughafens hat Trainer
Couceiro trotzdem seine Schäfchen innerhalb kürzester Frist für die
Trainingsphase in Bad Homburg zusammen.
Bei der Suche nach einem geeigneten Ort war Norbert Erlach,
Teambetreuer des SLFC Soccer Camps, behilflich. Das Unternehmen hat
sich auf die Organisation von Trainingslagern für Profimannschaften und
Nationalteams spezialisiert. Der Österreicher wohnt seit 2000 in Bad
Homburg und konnte seinen Freund Päffgen bei einem Spaziergang von den
Vorzügen der Kurstadt überzeugen.
Der Staat Litauen hat sich 1990 von der damaligen Sowjetunion gelöst.
Die Fußball- Nationalmannschaft nimmt seit 1992 an internationalen
Wettbewerben teil. Die deutschen Kicker haben durchwachsene
Erinnerungen. In der Qualifikation zur Europameisterschaft 2004 gelang
der Mannschaft aus dem Baltikum in Nürnberg gegen Deutschland ein 1:1 –
ein Resultat, das die Fußballwelt aufhorchen ließ. In den Spielen der
Qualifikationsrunde sieben für die Weltmeisterschaft in Südafrika haben
die Litauer sich bisher achtbar geschlagen. In Rumänien (0:3) sowie
gegen Österreich (2:0) und die Färöer Inseln (1:0) gab es Siege ohne
Gegentor, nur in Belgrad musste die Mannschaft sich gegen Serbien
geschlagen geben.
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